und als er meine Stimme hörte, öffnete er die Augen.
Claire glaubte, dass die Schlafzimmertür verschlossen war. Als sich plötzlich ein Schlüssel im Schloss drehte, blieb ihr beinahe das Herz stehen. Hastig faltete sie den vergilbten Brief zusammen und schob ihn unter den Bund ihrer Hose, genau in dem Moment, als Jason ohne anzuklopfen das Zimmer betrat. Er lächelte ruhig, als wäre nichts Ungewöhnliches passiert, doch Claire spürte sofort, dass dieser Besuch kein Zufall war. Noch ahnte sie nicht, dass dieser Augenblick der Anfang einer Wahrheit war, die jahrelang hinter den Mauern von Blackwood House verborgen geblieben war.
3.
Claire erreichte den Westflügel außer Atem und versteckte sich hinter einer alten Wandverkleidung. Erst dort bemerkte sie, dass die silberne Blockflöte beschädigt war. Das eigentliche Geheimnis befand sich jedoch unversehrt auf der kleinen Speicherkarte. Während sie sie vorsichtig in ihre Hand nahm, hörte sie Jasons Schritte immer näher kommen.
„Die Karte gehört nicht Ihnen.“
Claire reagierte blitzschnell, schlug mit einer Metalllampe gegen die Wand und tauchte den Flur in Dunkelheit. Im schwachen Licht fand sie den Eingang zu einem weiteren verborgenen Gang und verschwand hinter der Wand. Von
dort aus konnte sie beobachten, wie Jason und Dr. Vale mehrere Räume durchsuchten, ohne zu ahnen, dass sie ihnen nur wenige Meter entfernt verborgen folgte.
Der geheime Gang führte schließlich wieder zu Ethans Schlafzimmer. Claire eilte zu ihm und legte ihm die Speicherkarte in die Hand.
„Ich habe sie gefunden.“
Ethan versuchte etwas zu sagen.
„Nicht... Jason...“
Claire nickte sofort.
„Ich weiß. Auch Dr. Vale.“
Doch Ethan schüttelte langsam den Kopf. Mit letzter Kraft griff er nach einem Notizblock und schrieb nur ein einziges Wort.
„MUTTER.“
Claire sah ihn verwundert an. Jeder hatte ihr erzählt, Ethans Mutter sei seit Jahren nicht mehr am Leben. Bevor sie nachfragen konnte, öffnete sich die Tür. Jason trat gemeinsam mit Dr. Vale zur Seite und machte einer elegant gekleideten Frau Platz. Sie wirkte ruhig, selbstbewusst und begegnete Claire mit einem freundlichen Lächeln.
„Willkommen, Miss Claire.“
Claire erkannte sie sofort aus dem Gemälde.
Lady Ashbourne.
Nicht Jason traf die Entscheidungen in Blackwood House. Er hatte lediglich ihre Anweisungen ausgeführt.
Lady Ashbourne streckte ruhig ihre Hand aus.
„Die Speicherkarte bitte.“
Claire hielt sie fest umschlossen.
„Es existiert bereits eine Kopie.“
Ein kaum sichtbares Lächeln erschien auf Lady Ashbournes Gesicht.
„Eine mutige Antwort.“
In diesem Augenblick bemerkte Claire, dass Ethan unauffällig zum Kamin blickte. Hinter einer alten bronzenen Uhr blinkte ein kleines rotes Licht. Erst jetzt verstand sie, dass die Blockflöte niemals das eigentliche Ziel gewesen war. Das wahre Signal kam von einem zweiten kleinen Sender, den Ethan lange zuvor versteckt hatte.
Claire griff danach, doch genau in diesem Moment stürmten mehrere Männer in dunklen Anzügen in das Zimmer. Für einen kurzen Augenblick glaubte sie, endlich Hilfe sei eingetroffen. Dann verbeugte sich der Erste respektvoll vor Lady Ashbourne.
„Das Signal wurde abgefangen.“
Claires Hoffnung schwand. Lady Ashbourne lächelte gelassen, doch genau in diesem Moment drückte Ethan ihr unauffällig einen kleinen silbernen Schlüssel in die Hand. Darauf war nur ein einziges Wort eingraviert.
„KRYPTA.“
Zum ersten Mal verlor Lady Ashbourne ihre ruhige Fassung. Claire verstand sofort, dass sich tief unter Blackwood House etwas verbarg, das niemand jemals finden sollte. Genau dort wartete die Wahrheit, die nicht nur Jason oder Lady Ashbourne, sondern das gesamte Familiengeheimnis für immer verändern würde...