und als er meine Stimme hörte, öffnete er die Augen.
Claire glaubte, dass die Schlafzimmertür verschlossen war. Als sich plötzlich ein Schlüssel im Schloss drehte, blieb ihr beinahe das Herz stehen. Hastig faltete sie den vergilbten Brief zusammen und schob ihn unter den Bund ihrer Hose, genau in dem Moment, als Jason ohne anzuklopfen das Zimmer betrat. Er lächelte ruhig, als wäre nichts Ungewöhnliches passiert, doch Claire spürte sofort, dass dieser Besuch kein Zufall war. Noch ahnte sie nicht, dass dieser Augenblick der Anfang einer Wahrheit war, die jahrelang hinter den Mauern von Blackwood House verborgen geblieben war.
2.
Claire schob das Gemälde vorsichtig zur Seite und trat langsam in den schmalen Gang hinter der Wand. Die Luft war kühl und roch nach altem Holz und Staub. Das schwache Licht ihrer Taschenlampe ließ unzählige Spinnweben an den Steinwänden glitzern. Der schmale Korridor verlief quer durch Blackwood House und führte an kleinen Öffnungen vorbei, durch die sie mehrere Räume beobachten konnte, ohne selbst gesehen zu werden. Erst jetzt begriff sie, weshalb Ethan in seinem Brief geschrieben hatte, dass das Haus selbst voller Geheimnisse sei. Es war nicht einfach nur eine Villa, sondern ein Ort, der seit Jahren verborgene Wege und sorgfältig gehütete Geheimnisse bewahrte.
Nach einigen Minuten erreichte Claire eine kleine Öffnung hinter Ethans Schlafzimmer. Vorsichtig blickte sie hindurch. Ethan lag regungslos im Bett. Als sie sich leise bemerkbar machte und seinen Namen flüsterte, öffneten sich seine Augen langsam. Zum ersten Mal sah sie darin nicht nur Erschöpfung, sondern klares Bewusstsein.
„Ich habe deinen Brief gefunden.“
Ethan schloss kurz die Augen, als würde eine große Last von ihm abfallen.
„Gut.“
Seine Stimme war kaum hörbar.
Claire zog vorsichtig die Medikamente hervor, die täglich verabreicht wurden. Als sie eine Flasche mit der Aufschrift von Dr. Vale anhob, reagierte Ethan sofort. Er versuchte mit letzter Kraft den Kopf zu schütteln und blickte sie eindringlich an.
„Nein...“
Claire verstand augenblicklich, dass genau dieses Medikament nicht die Wirkung hatte, die man ihr erklärt hatte. Sie stellte die Flasche beiseite und versprach Ethan mit einem leichten Nicken, vorsichtig zu sein.
Noch bevor sie weiterreden konnten, hörten beide Schritte auf dem Flur. Claire stellte sich sofort neben den Infusionsständer und tat so, als bereite sie die gewohnte Behandlung vor. Während Jason und Dr. Vale das Zimmer betraten, drückte sie unauffällig den Schlauch zusammen, sodass keine Flüssigkeit in den Zugang gelangen konnte.
Jason trat langsam an das Bett heran und betrachtete Ethan aufmerksam.
„Du solltest dich ausruhen. Das fällt dir ohnehin am leichtesten.“
Claire beobachtete Ethan aus dem Augenwinkel. Obwohl er regungslos blieb, spiegelte sein Blick eine Entschlossenheit wider, die Jason offenbar nicht bemerkte.
Am Nachmittag erinnerte sich Claire an die silberne Blockflöte, von der Ethan geschrieben hatte. Sie schlich sich in das alte Musikzimmer und begann vorsichtig jedes Möbelstück zu untersuchen. Schließlich öffnete sie den Deckel des großen Flügels. Tief zwischen den alten Notenblättern lag tatsächlich eine schmale silberne Blockflöte. Als sie sie vorsichtig herausnahm, bemerkte sie ein ungewöhnliches Gewicht. Im Inneren befand sich eine kleine Speicherkarte.
Gerade als Claire das Musikzimmer verlassen wollte, stand plötzlich Frau Lang vor der Tür. Claire erschrak und hielt die Blockflöte
unwillkürlich hinter ihrem Rücken verborgen. Doch die Haushälterin machte keine Anstalten, sie aufzuhalten.
„Hören Sie gut zu.“
Claire schwieg.
„Jason wusste von Anfang an, dass Sie suchen würden.“
Claire spürte, wie ihr das Blut in den Adern stockte.
„Er beobachtet jeden Schritt.“
Noch bevor Frau Lang weitersprechen konnte, hallte langsamer Applaus durch den Flur. Jason erschien mit ruhigen Schritten in der Tür und lächelte freundlich, als wäre nichts Außergewöhnliches geschehen.
„Ich glaube, Sie haben etwas gefunden, Claire.“
Sein Blick blieb auf der silbernen Blockflöte liegen.
„Bitte geben Sie sie mir.“
Claire antwortete nicht einen einzigen Augenblick. Sie drehte sich um und rannte los. Während ihre Schritte durch die langen Flure hallten, wurde ihr klar, dass die eigentliche Jagd gerade erst begonnen hatte. Doch sie wusste noch nicht, dass sich auf der kleinen Speicherkarte ein Geheimnis befand, das das gesamte Ashbourne-Erbe für immer verändern konnte...Ti.p.pen Sie auf das F.oto, um den voll.ständigen Artikel anz.uzei.gen