Ich reservierte den Fensterplatz, weil meine Mutter die Wolken schon immer geliebt hatte
Daniel hatte den Fensterplatz im Flugzeug extra für seine Mutter Evelyn reserviert, denn seit seiner Kindheit wusste er, wie sehr sie den Himmel und die Wolken liebte. Nach schwierigen Monaten mit vielen Behandlungen hatte sich ihr Zustand verbessert, und eine Reise zu ihrer Verwandten Rachel sollte endlich wieder etwas Normalität bringen. Obwohl Evelyn vor ihrem ersten längeren Flug nervös war, saß sie bald am Fenster und begann mit Daniel über die Landschaft unter ihnen zu sprechen. Die beiden unterhielten sich leise, machten kleine Scherze und erinnerten sich dabei auch an Daniels Vater Robert.
2.
Captain Reed sah Evelyn einen Moment lang an und erklärte schließlich, dass Robert bereits vor acht Jahren Kontakt mit der Fluggesellschaft aufgenommen hatte. Er wusste, wie sehr seine Frau davon träumte, einmal über den Wolken zu fliegen, und hatte deshalb heimlich zwei offene Flugtickets für sie organisiert.
„Er hat mir nie etwas davon erzählt.“
Captain Reed lächelte.
„Er meinte, Sie würden sich weigern, wenn Sie wüssten, dass er dafür Geld ausgegeben hat.“
Evelyn musste trotz ihrer Überraschung lächeln.
„Das klingt nach Robert.“
Doch damit war Roberts Überraschung noch nicht beendet. Captain Reed erklärte, dass er damals persönlich mit ihm gesprochen und versprochen hatte, Evelyn zu begrüßen, falls er zufällig selbst ihren späteren Flug übernehmen würde.
Daniel konnte kaum glauben, dass der Wunsch seines Vaters all diese Jahre
irgendwo im Buchungssystem hinterlegt geblieben war.
Dann erzählte Captain Reed noch etwas.
„Ihr Mann sagte mir damals, dass Sie beim Blick auf die Wolken wahrscheinlich so tun würden, als hätten Sie überhaupt keine Angst.“
Evelyn lächelte gerührt.
„Er kannte mich wirklich.“
Auf der anderen Seite des Ganges war Gregory, der sich zuvor über ihr Gespräch beschwert hatte, inzwischen vollkommen still geworden.
Plötzlich sah er Captain Reed genauer an.
„Thomas?“
Der Pilot drehte sich zu ihm.
Gregory erklärte, dass die beiden sich vor ungefähr zwanzig Jahren in Chicago begegnet waren. Damals hatte Gregory große Angst vor einem Flug gehabt, doch Captain Reed hatte sich lange zu ihm gesetzt und ihm geduldig jedes Geräusch eines Flugzeugs erklärt.
Nun sah Gregory zu Evelyn und Daniel.
„Es tut mir leid.“
Er erklärte, dass seine Frau Anne momentan in Portland behandelt wurde und er deshalb während des gesamten Fluges angespannt gewesen sei. Seine Gedanken seien ständig bei ihr gewesen, doch das rechtfertige nicht, wie unfreundlich er zuvor reagiert hatte.
Evelyn fragte ruhig:
„Wie heißt Ihre Frau?“
„Anne.“
Evelyn nickte verständnisvoll.
Die angespannte Stimmung zwischen ihnen veränderte sich.
Dann kam Maria zurück.
In ihren Händen hielt sie zwei Becher, eine kleine Flasche alkoholfreien prickelnden Cider – und einen alten Umschlag.
Captain Reed reichte ihn Evelyn.
„Ihr Mann hat das damals für Sie hinterlassen.“
Auf der Vorderseite stand nur ein einziges Wort in Roberts Handschrift:
Evelyn.
Ihre Hände zitterten leicht, als sie den Umschlag öffnete.
Daniel setzte sich näher zu ihr.
„Lies ihn vor.“
Evelyn begann zu lesen.
Und bereits nach den ersten Zeilen wurde Daniel klar, dass sein Vater nicht nur einen Flug vorbereitet hatte.
Robert hatte seiner Familie vor acht Jahren eine Botschaft hinterlassen, die genau für diesen Moment bestimmt war.Ti.p.pen Sie auf das F.oto, um den voll.ständigen Artikel anz.uzei.gen