Warum fliegen Flugzeuge tagsüber nicht über den Atlantik?
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum so viele Flüge von Nordamerika nach Europa am Abend starten? Während die meisten Passagiere schlafen, bewegen sich zahlreiche Maschinen Richtung Europa und landen dort am nächsten Morgen. Tagsüber scheint sich dieses Muster plötzlich umzudrehen und viele Flugzeuge sind stattdessen auf dem Weg nach Nordamerika. Zufall ist das keineswegs, und auch eine besondere Regel für Atlantiküberquerungen steckt nicht dahinter.
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Wer einen Flugplan zwischen Nordamerika und Europa genauer betrachtet, entdeckt schnell ein interessantes Muster: Viele Maschinen verlassen Städte wie New York, Boston oder andere nordamerikanische Metropolen am Abend, überqueren den Atlantik während der Nacht und erreichen Europa am nächsten Morgen.
In der Gegenrichtung sieht es häufig anders aus. Zahlreiche Flüge starten morgens oder am frühen Nachmittag in Europa und erreichen Nordamerika noch am selben Tag nach dortiger Ortszeit.
Dahinter steckt kein Zufall. Das bekannte Muster entsteht durch das Zusammenspiel von Zeitzonen, Flugzeiten, Passagierpräferenzen, Windverhältnissen, Anschlussmöglichkeiten und den betrieblichen Abläufen der Flughäfen.
Der Nordatlantik besitzt einen eigenen Rhythmus
Der Nordatlantik gehört zu den bedeutendsten Langstreckenregionen der internationalen Luftfahrt. Da täglich zahlreiche Flugzeuge zwischen Europa und Nordamerika unterwegs sind, wird der Verkehr sorgfältig organisiert.
Dabei spielen unter anderem sogenannte North Atlantic Tracks, häufig als NAT-Routen bezeichnet, eine wichtige Rolle. Diese Flugrouten können entsprechend der aktuellen Bedingungen angepasst werden. Wetter, Windverhältnisse und das erwartete Verkehrsaufkommen gehören zu den Faktoren, die bei der Planung berücksichtigt werden.
Besonders interessant ist, dass sich der Schwerpunkt des Verkehrs abhängig von der Tageszeit verändert.
Während sich viele Flüge von Nordamerika nach Europa auf die Nachtstunden konzentrieren, findet ein großer Teil des Verkehrs von Europa nach Nordamerika tagsüber statt.
Der Atlantik ist am Tag also keineswegs leer. Vielmehr verändert sich lediglich die vorherrschende Flugrichtung.
Warum starten so viele Flüge nach
Europa am Abend?
Einer der wichtigsten Gründe dafür sind die Zeitzonen.
Ein typischer Flug von New York nach London macht das besonders deutlich. Verlässt eine Maschine New York beispielsweise am Abend, können die Passagiere nach dem Start essen, sich ausruhen und einen großen Teil der Reise während ihrer üblichen Schlafenszeit verbringen.
Durch die Zeitverschiebung erreicht das Flugzeug London am nächsten Morgen.
Für viele Reisende ist dieser Zeitplan praktisch. Sie verbringen nicht einen kompletten Tag mit der Reise und haben nach der Landung noch einen großen Teil des europäischen Tages vor sich.
Genau deshalb haben sich Abendabflüge aus Nordamerika über viele Jahre zu einem wichtigen Bestandteil der transatlantischen Flugplanung entwickelt.
In der Gegenrichtung funktioniert das Prinzip anders
Bei Flügen von Europa nach Nordamerika verschiebt sich der Zeitplan.
Eine Maschine kann beispielsweise am Vormittag in London starten, mehrere Stunden über den Atlantik fliegen und aufgrund der Zeitverschiebung trotzdem am Nachmittag in New York landen.
Für die Fluggesellschaften entstehen dadurch attraktive Ankunftszeiten, während Passagiere ihr Ziel zu einer praktischen Tageszeit erreichen können.
Gleichzeitig lassen sich Flugzeuge, Besatzungen und Anschlussverbindungen entsprechend koordinieren.
So entsteht über dem Nordatlantik ein bemerkenswerter täglicher Rhythmus: Nachts bewegt sich besonders viel Verkehr Richtung Osten, während tagsüber zahlreiche Maschinen Richtung Westen unterwegs sind.
Doch die Uhrzeit allein erklärt dieses Muster noch nicht.
Ein weiterer wichtiger Faktor befindet sich hoch über dem Atlantik und kann sogar beeinflussen, welche genaue Route eine Maschine auf ihrem Weg zwischen den Kontinenten nimmt.
Der Jetstream beeinflusst die Flugplanung
In großer Höhe befinden sich starke Luftströmungen, die als Jetstreams bezeichnet werden. Über dem Nordatlantik verlaufen diese Winde häufig von West nach Ost.
Für Flugplaner sind solche Luftströmungen ausgesprochen interessant. Ein Flugzeug auf dem Weg Richtung Europa kann unter passenden Bedingungen von günstigen Rückenwinden profitieren. Eine Maschine in der Gegenrichtung kann dagegen mit anderen Windbedingungen konfrontiert werden.
Deshalb berücksichtigen moderne Flugplanungssysteme aktuelle Wetterdaten und Vorhersagen. Routen und Flughöhen können so gewählt werden, dass Reisezeit und Treibstoffverbrauch möglichst effizient gestaltet werden.
Das erklärt zugleich, warum die tatsächliche Flugroute zwischen zwei Städten auf einer Karte nicht immer wie die offensichtlich kürzeste Verbindung aussieht.
Die geometrisch kürzeste Strecke muss unter realen atmosphärischen Bedingungen nicht automatisch die effizienteste Route sein.
Die unsichtbaren Straßen über dem Atlantik
Von außen könnte man sich vorstellen, ein Flugzeug starte in New York und fliege anschließend einfach auf direktem Weg nach London.
In Wirklichkeit ist die Planung wesentlich komplexer.
Der nordatlantische Luftraum verfügt über organisierte Strukturen, mit denen große Mengen an Flugverkehr koordiniert werden können. Dabei können Flugrouten entsprechend der jeweiligen Bedingungen angepasst werden.
Man könnte sich das System deshalb wie ein Netz unsichtbarer Straßen am Himmel vorstellen.
Der entscheidende Unterschied zu einer Autobahn am Boden besteht darin, dass diese bevorzugten Wege nicht dauerhaft an derselben Stelle liegen müssen. Wetterbedingungen, Wind und Verkehrsplanung können beeinflussen, welche Route für einen bestimmten Flug besonders sinnvoll ist.
Fliegen Maschinen auch tagsüber von Amerika nach Europa?
Ja.
Auch tagsüber gibt es Flüge von Nordamerika nach Europa. Auf bestimmten Verbindungen werden entsprechende Flugzeiten angeboten.
Deshalb wäre die Behauptung, Flugzeuge könnten oder würden den Atlantik Richtung Europa ausschließlich nachts überqueren, nicht korrekt.
Der entscheidende Punkt ist vielmehr die Häufigkeit.
Abendliche Abflüge aus Nordamerika passen aufgrund der Zeitverschiebung besonders gut zu morgendlichen Ankünften in Europa. Deshalb begegnet man diesem Muster wesentlich häufiger.
Wer regelmäßig Flugkarten betrachtet, kann dadurch den Eindruck bekommen, dass Atlantiküberquerungen Richtung Osten fast ausschließlich nachts stattfinden.
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