Die Fortsetzung verändert alles.
Manche Menschen treten in unser Leben, ohne dass wir ihnen einen Platz in unserem Herzen geben wollen. Wir halten Abstand, errichten Mauern und überzeugen uns selbst davon, dass es besser so ist. Jahrelang glaubte ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Doch das Leben besitzt eine seltsame Art, uns genau dann zu prüfen, wenn wir glauben, alles unter Kontrolle zu haben. Als das Telefon an diesem regnerischen Nachmittag klingelte, ahnte ich nicht, dass wenige Stunden später ein kleiner Junge mit einer Schachtel voller Papiersterne mein gesamtes Weltbild verändern würde.
2.
„Er glaubt, dass Sterne Wünsche wahr machen können“, sagte mein Mann leise.
Ich blickte erneut auf das kleine blaue Papier in meiner Hand.
„Deshalb faltet er sie?“
Mein Mann nickte.
„Am Anfang war es nur ein Zeitvertreib. Die Ärzte empfahlen ihm etwas, das ihn beschäftigt. Aber irgendwann begann er jedem Stern eine Bedeutung zu geben.“
Ich verstand nicht ganz, was er meinte.
„Welche Bedeutung?“
Er schwieg einen Moment.
„Jeder Stern steht für jemanden, den er liebt.“
Ich spürte, wie
sich etwas in meiner Brust zusammenzog.
Mein Blick wanderte zurück zum Bett.
Der Junge schlief noch immer.
Sein Gesicht wirkte friedlich, beinahe sorglos. Niemand hätte auf den ersten Blick erkannt, welche Herausforderungen er in den vergangenen Monaten bewältigt hatte.
„Und wie viele hat er inzwischen gefaltet?“
„Neunhundertdreiundvierzig.“
Die Zahl überraschte mich.
„So viele?“
„Er zählt jeden einzelnen.“
Mein Mann setzte sich auf den Stuhl am Fenster.
„Jeden Abend faltet er weitere. Manchmal nur zwei oder drei. Manchmal zwanzig.“
Draußen prasselte der Regen gegen die Scheiben.
Das Zimmer wirkte plötzlich kleiner.
Stiller.
Als würde die Welt außerhalb dieser vier Wände nicht mehr existieren.
Ich betrachtete die Sterne in der Box.
Blau.
Rot.
Gelb.
Grün.
Manche waren sorgfältiger gefaltet als andere.
Manche wirkten älter.
An einigen Stellen war das Papier bereits leicht verblasst.
„Warum hast du mich hergerufen?“
Mein Mann senkte den Blick.
Diese Frage hatte zwischen uns gestanden, seit ich das Zimmer betreten hatte.
Er atmete tief durch.
„Weil du ein Teil seiner Sterne bist.“
Ich runzelte die Stirn.
„Was meinst du damit?“
Er griff in die Box und zog einen weiteren Stern hervor.
Langsam öffnete er die Faltung.
Im Inneren befand sich eine kleine Nachricht.
Mit kindlicher Handschrift geschrieben.
Ich konnte die Worte zunächst nicht erkennen.
Dann reichte er mir den Zettel.
Meine Hände wurden plötzlich kalt.
Dort stand nur ein einziger Satz.
„Ich hoffe, dass sie mich eines Tages liebhaben kann.“
Für einen Moment hörte ich nichts mehr.
Nicht den Regen.
Nicht das Summen der Lampen.
Nicht einmal meinen eigenen Atem.
Immer wieder las ich denselben Satz.
Einfach.
Ehrlich.
Ohne Vorwurf.
Ohne Bitterkeit.
Nur ein Wunsch.
Ich spürte, wie meine Augen feucht wurden.
Und zum ersten Mal fragte ich mich, ob ich all die Jahre etwas übersehen hatte.
Doch das war erst der Anfang.
Denn mein Mann öffnete einen zweiten Stern.
Und was darin stand, erschütterte mich noch mehr.Ti.p.pen Sie auf das F.oto, um den voll.ständigen Artikel anz.uzei.gen